Brainspotting
Tiefe Verarbeitung dort, wo Worte allein nicht reichen
Brainspotting ist ein körper- und neurobiologisch fundierter psychotherapeutischer Ansatz zur Verarbeitung von Trauma, Stress und emotionalen Blockaden. Die Methode wurde von David Grand entwickelt und basiert auf der Erkenntnis, dass belastende Erfahrungen nicht nur kognitiv erinnert werden, sondern sich vor allem im Nervensystem und im Körpergedächtnis verankern.
Im Brainspotting wird mit sogenannten Brainspots gearbeitet. Das sind bestimmte Blickpositionen, die mit inneren Aktivierungszuständen verbunden sind. Über diese gezielte Blickausrichtung erhält das Gehirn Zugang zu tiefer liegenden, häufig vorsprachlichen Ebenen von Erfahrung und Erinnerung, die über Sprache allein oft nicht erreichbar sind.
Wie Brainspotting wirkt
Überwältigende oder langanhaltende Belastungen können unvollständig verarbeitet bleiben. Sie zeigen sich dann beispielsweise als innere Unruhe, Übererregung, Erschöpfung, emotionale Blockaden, wiederkehrende Stressreaktionen oder körperliche Beschwerden.
Brainspotting setzt nicht auf Analyse oder Deutung, sondern auf die Selbstregulationsfähigkeit des Gehirns. Durch das Halten eines innerlich aktivierten Zustands bei gleichzeitiger äußerer Stabilität erhält das Nervensystem die Möglichkeit, Erfahrungen in seinem eigenen Tempo nachzuverarbeiten und zu integrieren.
Viele Menschen erleben Brainspotting als tiefgehend und zugleich schonend, weniger sprachgebunden als klassische Gesprächstherapie, körperlich regulierend und nachhaltig wirksam, auch bei komplexen Belastungen.
Der Ablauf einer Brainspotting-Sitzung
In einer Brainspotting-Sitzung wird gemeinsam ein aktuelles Thema oder eine innere Aktivierung fokussiert. Der Blick wird dabei, unterstützt durch einen Zeigestab oder ein Fixationsobjekt, auf eine individuell relevante Position im Gesichtsfeld ausgerichtet.
Die therapeutische Begleitung ist ruhig, präsent und fein abgestimmt. Es geht nicht darum, etwas zu forcieren oder bewusst „zu bearbeiten“, sondern darum, dem inneren System Raum zu geben, das zu tun, wozu es biologisch fähig ist: Integration.
Es gibt kein richtig oder falsch.
Worte dürfen entstehen, müssen es aber nicht.
Der Prozess folgt der inneren Logik des Nervensystems.
Tempo und Kontrolle bleiben bei der Klientin oder dem Klienten.
Für wen Brainspotting geeignet ist
Brainspotting kann unterstützend wirken bei:
- akuten und komplexen Traumafolgen
- chronischem Stress und emotionaler Überforderung
- Erschöpfungszuständen und Burnout
- psychosomatischen Beschwerden
- Leistungs- und Entscheidungsblockaden
- anhaltenden inneren Spannungszuständen
Ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Methode wird jeweils altersgerecht, entwicklungsangemessen und individuell angepasst eingesetzt.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Brainspotting auch für neurodivergente Menschen geeignet?
Ja. Brainspotting kann für neurodivergente Menschen besonders stimmig sein, da es weniger sprachzentriert arbeitet und körperliche sowie vorsprachliche Prozesse einbezieht. Viele autistische Menschen oder Personen mit ADHS erleben Belastung vor allem auf der Ebene des Nervensystems. Brainspotting setzt genau dort an, ohne Anpassungsdruck und ohne normierende Erwartungen.
Muss ich gut über Gefühle sprechen können?
Nein. Brainspotting erfordert keine ausgeprägte sprachliche Beschreibung von Emotionen. Wahrnehmungen, Körperempfindungen, Bilder oder ein vages inneres Erleben reichen aus. Sprache darf entstehen, sie ist aber keine Voraussetzung.
Wie arbeitet Brainspotting mit Kindern und Jugendlichen?
Bei Kindern und Jugendlichen wird Brainspotting spielerisch, behutsam und dem Entwicklungsstand angepasst eingesetzt. Der Fokus liegt auf Sicherheit, Beziehung und Selbstregulation. Oft reichen kurze Sequenzen, visuelle Orientierung oder körperbezogene Wahrnehmung, um Verarbeitung anzustoßen. Eltern werden, je nach Alter und Situation, angemessen einbezogen.
Ist Brainspotting retraumatisierend?
Brainspotting arbeitet ressourcenorientiert und achtet konsequent auf Stabilität und innere Zustimmung. Der Prozess folgt dem Tempo des Nervensystems. Ziel ist Integration, nicht Überforderung. Die Methode gilt bei fachgerechter Anwendung als schonend und traumasensibel.
Worin unterscheidet sich Brainspotting von anderen traumatherapeutischen Verfahren?
Brainspotting arbeitet sehr direkt mit neuronalen und körperlichen Prozessen und weniger über kognitive Steuerung. Die Methode ist offen, nicht standardisiert und lässt dem inneren System viel Eigenraum. Dadurch kann sie auch bei komplexen oder früh entstandenen Belastungen wirksam sein.

